Die finsteren Gewölbe (1)

Acnari traute ihren Augen nicht, als Phochrist direkt in dem schwarzen Felsgestein verschwand. Er tauchte förmlich in das Gestein ein. Das war doch einfach unmöglich! Der Fels wirkte so massiv und undurchdringlich! Trotzdem war der Seher ohne jede Mühe und vor allem ohne jede Angst in diesem Gebilde verschwunden, das sie schon allein durch seine bösartige Ausstrahlung auf Distanz hielt. Die Heilerin blickte sich um und sah, daß auch ihre Gefährten zögerten. Niemand wagte er, dem Abaron zu folgen. Ungläubige Blicke waren auf die Stelle geheftet, an der Phochrist in dem Gestein verschwunden war. Fassungslosigkeit aber auch Angst konnte Acnari in den Gesichtern der anderen lesen. Sie spürte auf einmal, wie jemand ihre Hand ergriff. Angenehme Wärme durchflutete ihren ganzen Körper und ließ ihre Angst schwinden. Sie fühlte sich von einer seltsamen Kraft durchflutet. Sie blickte in die Augen ihres Bruders, der Ruhe und Entschlossenheit ausstrahlte. Trabin lächelte und zog sie sanft hinter sich her, als er auf das Felsgebilde zu marschierte. In seiner Hand hielt er die grell leuchtende Feuerklinge, von der diese seltsame Kraft ausging, die ihr plötzlich neuen Mut spendete. Als sie sich umwandte erkannte sie, daß auch die anderen Gefährten langsam und zögerlich folgten, doch in jedem Gesicht, sah sie neuen Mut aufflackern. Die massive, schwarze Felswand kam immer näher und näher. Acnaris Verstand schrie noch einmal verzweifelt auf, daß es einfach unmöglich war, durch massives Gestein zu gehen, doch wieder durchflutete sie diese angenehme Wärme und spülte jeden Zweifel aus ihren Gedanken. Dann umfing sie für einen Moment vollkommene Dunkelheit. Eisige Kälte erfaßte ihren ganzen Körper. Sie fürchtete, vor Kälte zu erstarren, ihre Bewegungen wurden immer langsamer und schwerfälliger und fast schien es so, als würde sie sich nicht mehr von der Stelle rühren können, als es dann plötzlich vorbei war. Der dunkle Schleier, der sie umfangen hatte, schwand und sie blickte in das erleichterte Gesicht des Abarons. Die Heilerin umarmte ihren Bruder und begann zu schluchzen. „Oh Trabin, haben wir… sind wir wirklich da hindurch…?“ Trabin nickte. „Ja, Acnari, wir sind im Inneren dieses… was immer es auch sein mag.“ Als sie sich umwandten, erkannte sie, daß auch die anderen den Felsen durchschritten hatte. An den erstaunten Gesichtern konnte sie ablesen, daß die anderen scheinbar ähnliche Erfahrungen gemacht hatten wie sie selbst. Als sie sich wieder gefaßt hatte, kehrte die Wahrnehmung ihrer Umgebung zurück. Sie waren umgeben von einer eisige Kälte, die sich bis ins Innerste ihrer Körper zu fressen schien. Das Leuchten der Feuerklinge war die einzige Lichtquelle und daher war ihre Sicht sehr begrenzt. Soweit sie es erkennen konnte, befanden sie sich in einem engen, hohen Gang, der sich in das Innere dieses Felsgewölbes schlängelte. Sie Wände waren kantig und bestanden ebenfalls aus diesem schwarzen Felsgestein, das Kälte und Furcht verströmte. Der Gang war so eng, daß sie nur einzeln hinter einander gehen konnten. Es herrschte eine bedrückende Stille und jeder ihrer Schritte hallte wie ein Donnerschlag. Wo immer dieser Gang hinführen mochte, es würde ihnen keinesfalls gelingen, unbemerkt dort anzukommen. Phochrist setzte sich in Bewegung und folgte dem Gang. Trabin, Acnari und Aki folgten. Smaruk, Danair und der Poco Nachistir bildeten den Schluß der Gruppe. Der Poco hatte zwar keine Probleme, was die Höhe des Ganges betraf, doch die Breite machte seinem stämmigen Körperbau schon mehr zu schaffen. Ständig eckte er irgendwo an, worauf sofort ein heftiges Fluchen zu hören war. Der Magrolin hatte inzwischen seine magische Fackel herbei gezaubert, da das Leuchten der Feuerklinge ihnen nur sehr unzureichende Helligkeit spendete. Zwar konnten noch immer nicht sehr viel erkennen, da das Licht scheinbar von den Felswänden absorbiert wurde. In zahlreichen Windungen führte der Gang sie geradewegs ins Innere des Felsmassivs. Der Gang verbreiterte sich gelegentlich ein wenig, später wurde er teilweise so eng, daß der Poco größte Schwierigkeiten hatte, weiter zu gehen. Sie zitterten am ganzen Körper, da ihnen die eisige Kälte immer stärker zusetzte. Die Totenstille, die nur durch das Widerhallen ihrer Schritte unterbrochen wurde, beunruhigte sie immer mehr, hinter jeder Windung des Ganges erwarteten sie eine Schar von Morloks, die sich ihnen in den Weg stellen würde. Ihre innere Spannung wuchs ins Unerträgliche, die Nerven waren zum Zerreißen angespannt und ihre Unsicherheit wurde immer größer. Immer öfter blieben sie stehen und lauschten in die Stille hinein, ob ihnen nicht irgend welche Schritte entgegenkamen, doch Nichts geschah, doch auch der seltsame Gang schien einfach kein Ende zu finden. Ihre eintönige Umgebung machte es ihnen unmöglich, sich zu orientieren oder festzustellen, wie viel Zeit schon vergangen war, seit sie das Gewölbe betreten hatten.

Published in: on 15. Januar 2012 at 12:05  Hinterlasse einen Kommentar  

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