Plötzlich geschah es. Die Feuerklinge erstrahlte so grell, daß sie für einen Moment geblendet wurden. Als ihre Sicht langsam zurückkehrte, waren die engen Felswände des Ganges verschwunden. Sie standen mitten in einem riesigen Gewölbe, dessen Wände in der Dunkelheit verborgen lagen. Die Kälte um sie herum war noch eine Spur eisiger geworden. Sie waren wie gelähmt von einer unbeschreiblichen Angst, die sie plötzlich ergriff. Aus den Schatten rings um sie herum blitzen dunkelrote Augenpaare auf und näherten sich langsam. Trabin fühlte eine Panik in sich aufsteigen, gegen die selbst die Feuerklinge, die er krampfhaft umklammerte, nichts ausrichten konnte. Sie waren umzingelt. Von allen Seiten näherten sich diese schattenhaften Umrisse, und die dunkelroten Augen leuchteten boshaft auf und starrten sie durchdringend an. Als das erste dieser Schattenwesen sich so weit genähert hatte, daß Trabin die dunkelrote Robe, die seine Formen verbarg, erkannte, wurde seine Vorahnung zur Gewißheit. Mönche der Finsternis! Der Alptraum von der Wüsteninsel war zu ihm zurückgekehrt und diesmal war ihre Macht noch viel größer als bei ihrem ersten Aufeinandertreffen. Alles in ihm schrie nach Flucht, doch der Kreis der Mönche schloß sich immer enger um sie. Bisher waren die Mönche jedoch sorgsam darauf bedacht, sich aus der Reichweite der Feuerklinge fern zu halten. Trabin blickte sich zu seinen Kameraden um. Er sah die panische Angst in ihren Gesichtern. Sie hatten alle ihre Waffen gezogen und standen nun Rücken an Rücken, um sich in einer verzweifelten, hoffnungslosen Situation zur verteidigen. Trabin wußte, daß dieses Vorhaben hoffnungslos war. Hier in Soth-Tren war es unmöglich, diesen Schattenwesen etwas anzuhaben! Selbst die Macht der Feuerklinge in seinen Händen – wenn das Gerede über den ‘Erwählten’, der er sein sollte, überhaupt stimmte – würde nicht ausreichen, sie aus den Klauen der Mönche zu befreien. Noch immer schwebten die Mönche untätig vor ihnen und begnügten sich damit, sie anzustarren. Sofern sich nicht noch mehr dieser Wesen in der Dunkelheit des Gewölbes verborgen hielten, so hatten sie es mit sechs dieser Schattenwesen zu tun. Trabin wußte, wozu eines dieser Wesen in der Lage war, wozu mochten sie fähig sein, wenn sie sich zu sechst in Soth-Tren befanden? Und selbst, wenn sie diesen Mönchen auf wundersame Weise entkommen sollte – es gab hier bestimmt noch mehr dieser Schattenwesen, auf die sie früher oder später stoßen mußten! Wie konnten sie auch nur so naiv sein, hier einzudringen, ohne darüber im Klaren zu sein, daß hier der Orden der Finsternis hauste! Wo, wenn nicht in Soth-Tren, sollten die Mönche und Morloks beheimatet sein? Und wer konnte schon ahnen, welche Kreaturen der Regent sonst noch so erschaffen hatte? Smaruk spürte die magischen Fähigkeiten der Schattenwesen. Jeder dieser Mönche verfügte über magische Kräfte der Finsternis, die seinen überlegen waren. Die Magie dieser Wesen war böse. Smaruk hatte keine Vorstellung davon, welche Zauber dieser Mönche wohl bewirken konnten. Ihre Macht war groß und hier in Soth-Tren konnte er es nicht einmal mit einem einzigen Mönch aufnehmen. Seine Magie würde nicht einmal ausreichen, einen dieser Mönche auch nur annähernd zu beeindrucken. Doch der Magrolin spürte, daß diese Schattenwesen ihn aufmerksam anstarrten. Eine Welle des Hasses strömte ihm entgegen und er war sich sicher, daß auch die Mönche seine magischen Kräfte wahrgenommen hatten. Ein imaginärer Schlag traf den Magrolin völlig unvorbereitet. Seine Fackel erlosch und seine magischen Kräfte schienen schlagartig zu schwinden. Der Magrolin verlor seine Konzentration. Sein Hals schien von zwei Händen umklammert zu sein, die Luft wurde ihm abgeschnürt und er ging röchelnd in die Knie. Seine letzten, verzweifelten Versuche, einen letzten Zauber zu sprechen, ganz gleich wie sinnlos dieser Versuch auch sein mußte, scheiterten kläglich. Er fühlte sich ausgelaugt und entkräftet. Danair und Acnari waren sofort bei dem Magrolin als er entkräftet zu Boden ging. Keiner der Mönche hatte sich bewegt und trotzdem wußten sie, daß sie Smaruk auf irgend eine Weise angegriffen hatten. Acnari beugte sich über Smaruk, stellte jedoch fest, daß er nicht verletzt war. Der Magrolin war einfach nur geschwächt und rang nach Luft, als ob ihn irgend jemand gewürgt hätte. Sie wußte von Trabins Berichten über seine Gefangenschaft auf der Wüsteninsel, daß diese Wesen dazu in der Lage waren. Noch immer zeigten die Mönche keinerlei Regung und starrten einfach nur haßerfüllt auf die kleine Gruppe. „Was wollt ihr! So hört doch endlich auf damit und sagt uns was ihr wollt!“ schrie sie verzweifelt. Ein direkter Angriff der Mönche wäre ihr allemal lieber gewesen als dieses Anstarren, das ihnen einen Schauer über die Rücken jagte. Eine Woge des Schmerzes schien Acnaris Schädel zu sprengen. All’ ihre Gedanken waren blockiert, ihre Brust wurde eng und das Atmen fiel ihr unglaublich schwer. Eine bösartige, dämonische Stimme erfüllte ihren Kopf. „Der Meister erwartet euch!“ Acnari wand sich vor Schmerzen auf dem Boden. Diese grauenvolle Stimme schien überall in ihr zu sein. Das Echo hallte tausendfach in ihrem Kopf wieder und trieb sie an den Rand des Wahnsinns. „Wir werden euch zu ihm bringen!“ Acnari hörte auch die anderen qualvoll aufschreien, dann wurde alles um sie herum dunkel…