Phochrist war zusammengebrochen. Wie schon so oft zuvor war der Anfall völlig unvorbereitet über den Abaron gekommen. Seine Gefährten stellten jedoch erleichtert fest, daß er sein Bewußtsein langsam zurück erlangte. Seit die merkwürdigen Mönche der Finsternis sie in diesem finstere Gewölbe überwältigt hatten, waren einige unerklärbare Dinge geschehen. Sie waren hier erwacht, in einer kleinen Kammer ohne Ausgang, die wohl als Gefängnis für sie diente. Trabin hatte gefehlt. Irgend etwas geschah mit ihnen, das sie sich nicht erklären konnten. Sie spürten, wie ihre Kräfte langsamen schwanden, sie wurden immer schwächer, so als würde eine finstere Macht ihnen ihr Leben entziehen. Keiner der Mönche hatte sich seither blicken lassen, doch der Abaron hatte unentwegt davon gesprochen, daß sich ihr Schicksal in diesem Augenblick entscheiden würde. Mehrmals hatte er ihnen berichtet, daß Trabin einen verzweifelten Kampf gegen den Regenten führte, während man sie hier gefangen hielt. Dann war der Abaron immer schwächer geworden und hatte mehrmals gestammelt, daß Trabin es nicht schaffen würde. Phochrist war in einen meditativen Zustand gefallen und keiner von ihnen hatte auch die geringste Ahnung was mit ihm geschah. Unbewegt hatte der Abaron in der Kammer gestanden und mehrmals den Namen von Trabin ausgerufen. Er hatte geschrien, daß sie verloren wären, wenn er nicht die Kräfte der Feuerklinge entfesseln würde und dann hatte der Abaron sein Medaillon abgenommen und es von sich geworfen. Vor ihrer aller Augen hatte sich das seltsame Medaillon in Luft aufgelöst und kurze Zeit später war Phochrist dann völlig entkräftet zusammengebrochen. Sie waren alle sehr erschöpft gewesen, doch ihre Erschöpfung schien nicht mehr weiter zuzunehmen. Sie keuchten und wischten sich den Schweiß aus dem Gesicht, als Aki plötzlich aufschrie. „Seht! Die Wände! Sie verschwinden!“ Tatsächlich hatte der Kennek recht. Die massiven Felswände rings um sie herum verblaßten und gaben den Blick auf eine großes Gewölbe frei, dessen Wände in der Dunkelheit verschwanden. In einiger Entfernung lag ein regloser Körper auf dem Boden. „Trabin!“ schrie Acnari auf und eilte zu ihrem Bruder. „Oh Trabin, was ist geschehen!“ Sie beugte sich über den erschöpften Körper ihres Bruders. In seiner Hand hielt er noch immer die Feuerklinge umklammert, die von einem blassen Leuchten umgeben war. Jetzt waren auch die anderen heran. Keiner konnte ahnen, was er durchgestanden hatte, doch Phochrist beugte sich ebenfalls zu ihm herab und flüsterte. „Du warst sehr stark Trabin! Du hast es geschafft!“ Langsam öffnete Trabin die Augen und lächelte matt. „Ist … es vorbei ?“ Noch bevor Phochrist antworten konnte schrie Aki: „Seht! Was ist das?“ Eine gewaltige, formlose Wolke der Finsternis hatte sich in dem Gewölbe zusammengeballt und schwebte auf sie zu. Angst und eisige Kälte schienen von dieser Wolke auszugehen. Trabins Augen weitete sich und panisch schrie er auf. „Der Regent. Es ist…“ „Narren!“ donnerte eine boshafte Stimme von allen Seiten zugleich. Wie aus dem Nichts formten sich zu allen Seiten die schattenhaften Umrisse der Mönche der Finsternis. Es waren unzählige Gegner zugleich. Die Wolke selbst änderte langsam ihre Gestalt und verwandelte sich ebenfalls in eines dieser Schattenwesen, das jedoch um ein Vielfaches bedrohlicher wirkte als die anderen. Der Regent hüllte sich in eine rote Robe unter der sogleich die stechend roten Augen aufblitzen. „Diesmal wirst du sterben, Erwählter!“ zischte der Regent. Er Zorn in seiner Stimme war unüberhörbar. „Deine Torheit wirst du bezahlen! Ich werde dich endgültig vernichten. Schrei’ nur nach An-Kalah, er wird Dir nicht noch einmal helfen! Die Macht des Schwertes ist verbraucht, du Narr, doch du konntest mich nicht töten. Hier in Soth-Tren ist meine Macht unschlagbar, denn meine Diener verleihen mir neue Kraft!“ Trabin griff nach der Feuerklinge und versuchte aufzustehen, doch sofort durchfuhr eine Woge des Schmerzes seinen Körper und ließ ihn stürzen. Der Magrolin hatte die Unaufmerksamkeit des Regenten genutzt und magische Worte gesprochen, doch seine Kräfte waren noch immer zu schwach und sein Zauber zeigte keine Wirkung. Er erntete ein amüsiertes Lachen des Regenten für seine Bemühungen. „So, du hältst dich also für einen Magier, der es mit mir aufnehmen kann? Ich frage mich wirklich, wie es euch gelungen ist, bis hierher zu kommen!“ Ein Lichtblitz schoß auf Smaruk zu, erfaßte seinen Körper und schleuderte ihn zu Boden. Der Magrolin schrie auf und blieb reglos liegen. „Smaruk!“ schrie Acnari auf. Danair packte seine Axt und rannte mit einem verzweifelten Schrei auf den Regenten zu. „Du Teufel! Du hast meine Familie getötet!“ Der Zwerg rannte in blinder Wut los und schlug mit seiner Axt auf die Mönche ein, die sich ihm in den Weg stellten. Seine Hiebe richteten keinerlei Schaden hat, doch die Mönchen schaffte es nicht, den Zwerg aufzuhalten. Nachistir packte sein Barbarenschwert und stürmte hinter Danair her. „Ich helfe dir, Bruder!“ Kurz bevor der Zwerg und der Poco den Regenten erreicht hatten, schoß eine Flammenwand aus dem Boden empor und kreiste sie ein. Phochrist versuchte erst gar nicht, den Regenten anzugreifen, sondern er kümmerte sich um Smaruk. Der Magrolin lebte, doch sein Atem war schwach und der Zauber des Regenten hatte ihn sehr geschwächt. Acnari kauerte neben ihrem Bruder und war wild entschlossen, nicht von seiner Seite zu weichen. Sie würde mit ihm zusammen sterben, wenn es sein mußte… Phochrist war verzweifelt. Sie saßen eindeutig in der Falle und der Regent hatte ganz klar die Oberhand. Wie hatte das geschehen können. Trabin war der Erwählte und er hatte den Regenten mit Hilfe der Feuerklinge zurückgeschlagen, doch nun lag das Schwert wie ein nutzloser Gegenstand neben dem völlig erschöpften Trabin. Sie hatten die Macht des Regenten unterschätzt. Sicher, er war angeschlagen – er mußte ganz einfach angeschlagen sein, auch wenn er ihnen jetzt vorspielte, daß seine Macht ungebrochen war, doch was sollten sie jetzt tun? Plötzlich erregte etwas anderes Phochrists Aufmerksamkeit. An der Decke des Gewölbes zeichnete sich ein bunter Lichterwirbel ab. „Achtung!“, kreischte es auf einmal, dann fiel eine Gestalt wie ein Stein von oben herab. Das schneeweiße Gewand der Gestalt flatterte und der alte Mann ruderte wild mit den Armen. Phochrist erkannte Nair-Da. Wie war es nur möglich? „Heeeee….“ Nair-Da landete äußerst unsanft auf seinem Hinterteil. Sofort erhob sich der Alte und fuhr sich mit der Hand über seinen Hintern. „Autsch!“ Dann erhob er sich und blickte sich um. Als er die Mönche und den Regenten erblickte zeigte er keinerlei Angst, sondern blickte Phochrist böse an. „Also wirklich, mein Freund! Jetzt fangt ihr hier einfach ohne mich an! Ihr hättet schon auf mich warten können!“ „Nair-Da, jetzt ist wirklich keine Zeit für deine dummen Späße!“ Phochrist blickte unruhig zum Regenten, der auf das Auftauchen Nair-Das bisher noch nicht reagiert hatte. Vor dem Regenten waren Nachistir und Danair noch immer in einem Feuerring eingeschlossen. Der Kennek und Acnari schauten ungläubig zu Nair-Da und Phochrist. „So, du kommst also auch, alter Narr?“ zischte der Regent. „Da hast dich tatsächlich aus deinem Berg herausgewagt? Um so besser, dann kann ich mich gleich noch um dich kümmern!“ Ein Lichtblitz wie der, der Smaruk getroffen hatte, schoß auf Nair-Da zu, doch dieser wich mit einem gekonnten Sprung zu Seite aus. Nair-Da fuchtelte kunstvoll mit seinen Händen durch die Luft und sogleich verschwand der Feuerkreis, der Danair und Nachistir eingeschlossen hatte. „Ich weiß ja, daß es hier drinnen ziemlich kühl ist, aber so warm muß es ja nun auch nicht gleich werden!“ scherze Nair-Da. Die Augen des Regenten blitzen auf. Unbeeindruckt davon marschierte Nair-Da nun zu Trabin und kniete sich neben den Erwählten. „Zum Ausruhen ist jetzt aber wirklich keine Zeit, mein Junge! Da drüben steht der Regent, du weißt, daß er uns töten wird, also steh auf und erfülle endlich die Prophezeiung!“ Plötzlich blickte Nair-Da Trabin mit ernster Mine an. Sein Blick war völlig klar. „Er ist schwer angeschlagen und die Mönche hier sind nichts als eine reine Illusion, Trabin. Du mußt ihn mit dem Schwert treffen!“ flüsterte er ihm zu. „Wie soll ich denn nahe genug an ihn heran kommen?“ „Überlaß’ das nur mir!“ Nair-Da erhob sich und blickte den Regenten auffordernd an. „Nun, was ist, mein Lieber? Du bist ja so still!“ Danair und Nachistir hatten sich inzwischen zu Phochrist und Smaruk zurückgezogen. „Der Alte ist ja total verrückt!“ „Kann sein, aber vielleicht wird uns das trotzdem helfen!“ antwortete der Abaron. Acnari hatte inzwischen ihrem Bruder auf die Beine geholfen. Trabin hielt die Feuerklinge in seiner Hand und blickte unsicher zu seinen Freunden und dann zu Nair-Da, der dem Regenten nun völlig schutzlos ausgeliefert gegenüberstand. „Geh’ zu den anderen, Acnari. Ich muß…“ „Nein, Trabin du wirst sterben!“ Acnari klammerte sich an ihren Bruder, doch der löste ihren Griff und folgte Nair-Da. „Ich muß es tun!“ Der Regent hatte einen weiteren Lichtblitz auf Nair-Da geschleudert, doch der Alte hatte scheinbar irgend einen Gegenzauber benutzt, denn das Geschoß verglühte noch bevor es Nair-Da erreichte. Nun begann Nair-Da etwas zu murmeln. Aus seiner Fingerkuppe schoß nun ebenfalls ein magischer Blitz hervor, der den Regenten traf. Dieser wurde für kurze Zeit von einem grellen Licht eingehüllt und schrie kurz auf. „Wer bist du, alter Mann?“ fauchte der Regent. Inzwischen war Trabin nahe genug heran gekommen. Er fühlte, daß eine große Unsicherheit von dem Regenten ausging. Von der großen Macht und Stärke schien nichts mehr übrig zu sein. Nair-Da hatte recht, er war angeschlagen. Wieder schoß ein Lichtblitz auf Nair-Da zu, der diesmal traf. Nair-Da wurde zurück geschleudert. „Jetzt! Trabin! Jetzt!“ Ohne zu zögern stürzte Trabin los und versetzte dem Regenten eine Schlag mit der Feuerklinge. Noch einmal entlud sich die Macht des Schwertes und ein gewaltiger Energiestrom erfaßte den Regenten. Die schattenhaften Umrisse der Mönche begannen zu verblassen, als der Körper des Regenten schmerzhaft am Boden wand. „Neeeeeiiiiiinnnn!“ kreischte er. Trabin mußte die Feuerklinge loslassen und taumelte zurück. Er sah Nair-Da neben sich, der auf den Regenten zustürzte und die Feuerklinge ergriff. Der alte Mann murmelte magische Worte. „Nair-Da, was tust du?“ schrie Trabin und wollte den alten Mann zurückhalten. „Zurück, Trabin! Ich vollende, was ihr begonnen habt!“ Ein letztes Mal lächelte Nair-Da ihm zu, dann wurde auch sein Körper von der Macht der Feuerklinge ergriffen.